Neumond - Zyklus

Foto: Persson Perry Baumgartinger, Bregenzerwald 2015
Foto: Persson Perry Baumgartinger, Bregenzerwald 2015

Am Sonntag ist Neumond.

Eigentlich hat er schon Samstag Früh begonnen. Der Neumond ist wie andere Zyklen auch, eben kein fixer Termin, der sich auf eine Uhrzeit festlegt und dann nur zu der bestimmten Minute plötzlich ist und davor und danach nicht. Auch ein Neumond braucht seine Zeit ;)

Der in den Kalendern festgelegte Termin (mit Datum und Uhrzeit) ist sozusagen der Höhepunkt des Neumondprozesses, wie ein Pendel, dass irgendwann für sehr kurze Zeit genau in der Mitte von zwei Polen steht - und dann wieder weiterschwingt. Das ist auch eine der Qualitäten des Neumonds - intensiver Stillstand für sehr kurze Zeit. Der Neumondprozess selber beginnt ein bisschen vorher und dauert etwas nach. Der Mond muss sich ja (langsam) in Position bringen und davon wieder weiterbewegen.

Astronomisch gesehen

Neumond entsteht, aus Sicht der Astronomie, der Wissenschaft der Gestirne, weil der Mond sich um die Erde dreht und die Erde sich um die Sonne dreht, und die Lichtgestalt des Mondes alle ca 28 Tage von der Erde ohne Hilfsmittel nicht erkennbar ist. Aber von vorne:

Die Sonne ist ein Stern im großen, weiten Universum. Um die Sonne herum kreisen verschiedene Planeten und andere Himmelskörper. Sie schweben da, weil sie im Laufe der Zeit in die Laufbahn der Sonne gekommen sind und dort durch die Schwerkraft gehalten bleiben (zumindest bis jetzt). Die Erde ist einer der Planeten, die um die Sonne kreisen. Sie hat einen Mond, der einfach nur "der Mond" genannt wird, andere Planeten haben auch mehrere Monde.

 

Der Mond kreist also um die Erde, dafür braucht er nach unserer derzeitigen Zeitrechnung ca. 28 Tage. Da die Sonne, sagen wir mal, rechts von uns (der Erde) ist und der Mond die Erde umkreist, stehen Sonne, Erde und Mond bei jeder Umkreisung zwei Mal in einer Reihe. Je nach Position sprechen wir vom Neumond oder Vollmond. Wenn der Mond zwischen Sonne und Erde steht, ist Neumond, weil von der Erde her gesehen die Rückseite des Mondes beschienen wird und nicht die Vorderseite. Der Mond leuchtet nämlich nicht von selbst, sondern reflektiert das Sonnenlicht "nur". Dieser Zyklus einer Erdumkreisung des Mondes wird in der Astronomie in 8 Mondphasen eingeteilt, der Neumond ist eine davon, mit ihm beginnt jeweils die Zählung. Auf Wikipedia gibt es dazu eine gute Abbildung.

 

Soviel in aller Kürze zur astronomischen Seite aus meiner Laiensicht. Für weitere Informationen in für Laien verständlicher Sprache kann ich die drei Bücher des Astronomen Stephen Hawking und seiner Tochter Lucy Hawking empfehlen: "Der geheime Schlüssel zum Universum", 2007; "Die unglaubliche Reise ins Universum", 2011; "Zurück zum Urknall - Die große Verschwörung", 2013. 

Astrologisch gesehen

Die Astrologie ist die Deutung astronomischer Ereignisse auf das irdische Leben. Dabei werden Sonnenstände, Mondstände, der Stand der verschiedenen Planeten zueinander mit Ereignissen auf der Erde, aber auch im Leben einzelner Personen in Verbindung gebracht. Es geht nicht um die "Macht der Sterne, denn die Sterne 'machen' nichts mit uns", wie Sylvia Grotsch schreibt. Es geht vielmehr um Hinweise, wie wir die "Zeitqualität" nutzen können, was für Potentiale wir haben und wo wir uns weiterentwickeln könn(t)en.

 

Wie in der Astronomie beginnt auch in der Astrologie die Zählung der Mondzyklen mit den Neumond. Dem Neumond wird astrologisch die Qualität des Neubeginns, der Reflexion und des Loslassens (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge ;) zugeordnet. Bisher kann ich das in meinen Forschung(reis)en bestätigen. Jedem einzelnen Neumond wird je nach Sternzeichen, das mit dem Neumond beginnt, eine eigene monatliche Zeitqualität zugeordnet. Zum Beispiel bewegen wir uns mit dem Mai-Neumond von der Stier-Zeit in die Zwillinge-Zeit, also astrologisch gesehen vom Noch-eher-zurückgezogen-Sein, Langsam-wieder-nach-Außen-Gehen und Den-Winter-nachklingen-Lassen (Stier) zum Rausgehen, Auflüge-Machen, Den-Sommer-Vorspüren, Mit-Leichtigkeit-Genießen ... (Zwillinge).

 

Ich bin kein Experte in westlicher Astrologie, wie ihr vielleicht bemerkt habt. Ich bin erst wieder in den letzten 3 Jahren darauf gestoßen worden. Für mehr Fachwissen in dieser Hinsicht kann ich euch die Astrologinnen Sylvia Grotsch und Irene Dietrich empfehlen.

 

Womit ich mich mittlerweile schon einige Jahre beschäftige, ist die "Astrologie der Erde" nach Sun Bear. Sun Bear hatte vor vielen, vielen Jahren die Vision eines Medizinrads, das sich mit der westlichen Astrologie verbindet. Jedem Mond werden jeweils ein Tier, eine Pflanze, ein Mineral und ein Element zugeordnet. Das klingt ähnlich wie die westlichen Sternzeichen, geht aber darüber hinaus, weil es in das Medizinrad von Sun Bears Vision (das anderen Medizinrädern ähnlich ist) eingebettet ist. Jeder Mond ist nach seiner Zeitqualität benannt (z.B. beginnt das Jahr mit dem "Mond der Erderneuerung" am 22. Dezember), einem der vier Elemente Erde, Feuer, Wasser oder Luft zugeordnet sowie einem der vier Geisthüter_innen Waboose, Wabun, Shawnodese und Mudjekeewis und den vier Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden und Westen. Auch die so genannten Elementeklans spielen eine Rolle. 

 

Das klingt vielleicht am Anfang alles kompliziert oder viel, es ist auch sehr komplex - was ich für ein Qualitätsmerkmal halte, weil die Welt und das Leben selber äußerst komplex und vielfältig sind ;) Am besten zu begreifen ist diese Form der Astrologie - wie auch die westliche und viele andere - vor allem über die eigene Erfahrung, also übers Ausprobieren und Nachspüren. Für den Anfang findet ihr eine gute bildliche Darstellung des Medizinrads von Sun Bear hier

 

Sun Bear hat mit Wabun Wind zwei Bücher dazu geschrieben und die Vision / das Wissen auf der ganzen Welt weitergegeben. Wer sich dafür interessiert, kann gerne mich fragen oder ihre zwei Bücher dazu lesen: "Das Medizinrad. Eine Astrologie der Erde" von 1995 und "Das Medizinrad-Praxisbuch" von 1997 (gemeinsam mit Crysalis Mulligan). 

Der Neumond und ich

Warum ich mich so für den Neumond interessiere?

Einerseits bin ich die letzten 3 Jahre wieder intensiver in die westliche Astrologie eingetaucht. Andererseits beschäftige ich mich seit meiner schamanischen Ausbildung und vor allem seit der Ausbildung zum Wassergießer (auch Schwitzhüttenleiter genannt) nach Sun Bear mit verschiedenen Zyklen des Lebens, u.a. den Mondphasen. Darüber hinaus habe ich letztes Jahr die Neumonde besonders stark erlebt. Da ich mich bis dahin - wie wahrscheinlich die meisten von uns - vor allem für den Vollmond interessierte, war das eine anfangs erstaunliche, aber immer sehr intensive "Reise".

 

Ich habe einen neuen Aspekt von Zyklen und Phasen kennengelernt, der wichtige Erkenntnisse für mein Leben brachte: die Phase des kurzen Stillstands, des Innehaltens, der Rückschau auf Bisheriges und der möglichen Vorbereitung auf Neues. Das war für mich gerade in diesen durchgeplanten und hektischen Zeiten eine willkommene Abwechslung, eine gute Möglichkeit des Ruhigwerdens und der Entschleunigung. Ich nahm mir plötzlich Zeit, einmal im Monat ein paar Stunden (manchmal mehr, manchmal weniger) Pause zu machen, zu meditieren oder trommeln, für schamanische Reisen, einen Spaziergang oder einfach ein entspannendes Bad. Ich spürte der Qualität des Neumonds allgemein und der jeweiligen Zeitqualität des jeweiligen Neumonds im Speziellen nach.

 

Manchmal erstaunt es mich noch immer, dass ich diese wichtige Phase in Zyklen, Lebensabschnitten ... so lange übersehen habe: die Phase der Ruhe (vor dem Sturm). Mittlerweile nutze ich sie regelmäßig für mich allein und 2015 in einer offenen Gruppe abwechselnd an meinen drei Praxis-Standorten Wien, Berlin und Vorarlberg.

Am Sonntag ist Neumond.

All dieses Wissen und die Erfahrungen fließen in meine schamanische Arbeit ein, vor allem in den Neumond-Zyklus, den ich dieses Jahr als offene Gruppe jeden Neumond anbiete (s.o.). Aber auch in meine andere Arbeit wie Nuad - heilsame Berührung oder meine Coachings - und natürlich auch in meine wissenschaftliche Arbeit (von der in diesem Blog eher weniger die Rede ist ;).

 

Und so schließt sich der Kreis wieder: am Sonntag ist Neumond, ich halte inne, gehe in mich, reflektiere, lasse Altes los und mache mich für Neues bereit - und freue mich auf einen kraftvollen Neumond-Abend in Vorarlberg - der diesmal ausnahmsweise am Ende der Neumondphase stattfindet und nicht direkt am Höhepunkt des Neumondes, nämlich am Dienstag.

 

P.S. Das Foto hat auf den ersten Blick nichts mit dem Thema Neumond zu tun, das stimmt aber nicht: es ist zum Mai-Neumond aufgenommen worden ;)

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